Afghanistan, Kabul: DarulAman - Palast, ein etwas längerfristigeres Projekt

Sonntag, 21. März 2021 12:03

Seit 2009 beschäftige ich mich mit der Wiederherstellung der Gartenanlage im Zusammenhang mit dem ehemaligen afghanischen Präsidentenpalast "DarulAman" in Kabul.

Der Palast wurde von 1920 bis 1929 mit deutscher Beteiligung im Zuge der Reformen des Königs Amanullah Khan im klassizistischen Stil erbaut. Im Zuge der Errichtung wurden 700 einheimische Fachkräfte ausgebildet. Nach wechselvoller Geschichte wurde der Palast im Bürgerkrieg 1990 massiv beschädigt.

Für die Wiederherstellung des Palastes wurde ab 2004 unter der Schirmherrschaft von Walter Scheel eine Stiftung gegründet, die viel Interesse erzeugt hat, aber vor Ort keine praktischen Maßnahmen bewirken konnte.

Mit Hilfe eines Fördervereins hatte ich zusammen mit dem in Kabul geborenen Architekten Hamid Faruqui, trotz der erschwerten Situation vor Ort, einen neuen Anlauf gestartet. Hierzu haben wir 2012 eine Reise vor Ort unternommen.

Hamid Faruqui hatte eine Initiative gestartet, den wiederaufgebauten Palast als Parlament für die aktuelle afghanische Regierung zu nutzen. Hierzu sollten die kriegsbedingten Schäden des Bestandsgebäudes beseitigt werden und in dessen Mitte ein neuer Parlamentssaal entstehen.

Beim ca. 12,5 ha grossen Garten war die Frage zu klären, ob der ebenfalls klassizistische Stil mit diversen historisierenden Versatzstücken rekonstruiert oder ein gänzlich neues Konzept entwickelt  werden sollte. Wir waren der Meinung, dass ein neues Konzept eine eindeutige Ausrichtung in die Zukunft sei. Hierzu haben wir Elemente der persischen und islamischen Gartentradition modern interpretiert.

+ rechteckiger Grundriss

+ kreuzförmige Achsen (zweiaxiale Symmetrie)

+ Regelmässige Baumpflanzungen

+ Wasserbecken und -kanäle

+ Die Lage des Palastes auf einem Hügel haben dazu genutzt, die  Elemente Stufen und Rampen besonders hervorzuheben.

Ein neues Konzept bedeutet in dieser Kultur und diesem Klima vor allen die Pflanzung sehr vieler Bäume, die einen qualitätvollen Aufenthalt im Freien erst möglich machen. Hierdurch besteht die Chance einen öffentlichen Raum zu schaffen, in dem Freizeit, Sport und vor allem Gespräche und Diskussionen stattfinden können. Öffentliche Parkanlagen können einen Beitrag dazu leisten, dass Gesellschaften, die wesentlicher Kommunikationsmöglichkeiten im öffentlichen Raum beraubt worden sind, wieder öffnen und entwickeln können.

Start sollte die Gründung einer Baumschule auf dem Gelände selbst sein. Das bereits 1920 verfolgte Konzept der Fachkräfteausbildung wollten wir in die Gegenwart übertragen und eine Ausbildung zu Gärtnern und Baumschülern etablieren.

Als ein positives Beispiel für die Kraft eines solchen Projekts dient der  2007 fertig gestellte Babur - Garten Kabul. Hier wurde im Rahmen des Historic Cities Programme (HCSP) des Aga Khan Development Networks auf einer Fläche von ca. 11 ha der 1528 von Kaiser Babur, dem Begründer der Moguldynastie, angelegte Garten mit einem Budget von ca. 5 Mio Dollar wieder aufgebaut.

Der Garten wird trotz Eintrittsgebühr von bis zu 60.000 Menschen pro Monat aufgesucht.

Mittlerweile ist der ehem. Palast tatsächlich rekonstruiert worden. Vorerst ohne neues Parlamentsgebäude und ohne gestaltete Gartenanlage. Aber ein Anfang ist gemacht und Träume sollte man niemals aufgeben.

Die Reise nach Afghanistan war für mich definitiv besonders. Ich habe das Land trotz der unbestreitbar katastrophalen Rahmenbedingungen als arm aber nicht aggressiv wahrgenommen. Ich bin sehr freundlichen, selbstbewussten und offenen Menschen begegnet und habe mich in Kabul ohne Angst frei bewegen können. 

Das Wort Problem habe ich seit dieser Reise aus meinem Wortschatz gestrichen.

Ab hier sehen Sie noch ein paar fotografische Eindrücke von Kabul (die beiden letzten von Kollegen aus der Baubranche):