Iran, Shiraz: Drei Projekte

Montag, 19. Juni 2017 21:12

Ich hatte das grosse Glück, dass ich meinen Freund und Kollegen Dr. Behrooz Barsin in Shiraz (ca. 700 km südlich von Teheran) im Iran bis 2021 regelmässig besuchen konnte. Wir haben zusammen in Berlin studiert. Gegenwärtig ist er Lehrkörper an der Architektur - Fakultät der Universität in Shiraz und betreut auch als berufener Experte die Stadtverwaltung von Shiraz bei wichtigen Projekten der Freiraumgestaltung.

Durch diese Verbindung war ich insgesamt 6 x dort und hatte die Möglichkeit dieses faszinierende Land und seiner wunderbaren Menschen auf sehr exklusive Weise kennen zu lernen. Die aktuelle geopolitische Lage ist leider sehr bedrückend und es bleibt nur zu hoffen, dass irgendwann die Vernunft wieder Gewicht bekommt.

Ich gebe Ihnen gerne einen Einblick und stelle Ihnen drei völlig unterschiedliche Projekte vor:

1/ Die historische Altstadt von Shiraz ist leider nur noch teilweise erhalten, weil es in der Vergangenheit zu wenig Wertschätzung für das historische Erbe gegeben hat. Das hat sich mittlerweile geändert und jetzt werden die verbliebenen, alten Hofanlagen Stück für Stück aufwendig restauriert.

Diese Hofanlagen sind ein Lehrstück für klassische persische Gartenarchitektur: Rechteck, Kreuzgang, Wasserbecken und nicht zu vergessen: Orangenbäume, die von uns natürlich auch gepflückt wurden.


2/ Der Derak Montain Park, ein aktuelles und aussergewöhnliches Freizeit - Grossprojekt, liegt westlich von Shiraz und ist in vielerlei Hinsicht besonders.

Idee

Auslöser für die Konzeption war die Absicht der Stadtverwaltung in einer für das Stadtklima bedeutenden Kaltluftschneise Flächen vor Immobilien - Spekulation zu sichern.

Um für diese Absicht auch eine politische und gesellschaftliche Akzeptanz zu erhalten, sollten die Flächen nicht nur gesichert, sondern auch mit planerischen Inhalten besetzt werden.

Shiraz liegt auf ca. 1.500 m Seehöhe in einem Hochtal des Zagros - Gebirges. Die Stadt hat ca. 1,5 Millionen Einwohner und ist aufgrund ihres kulturellen Erbes mit zahlreichen historischen Gartenanlagen ausgestattet, die auch intensiv für die Naherholung genutzt werden. Der Derak Mountain Park sollte diesen Aspekt um eine Naherholung ausserhalb des bebauten Bereichs in einer Höhenlage zw. ca. 1.500 und ca. 2.200 m an den Nordhängen des ca. 2.900 m hohen Derak Massivs ergänzen. Freizeitgestaltung in einer Gebirgsregion ist für iranische Verhältnisse ungewöhnlich aber wegen des kühleren Klimas und dem natürlichen Vorkommen von Wasser hoch attraktiv.

Grösse

Die Dimensionen sind gigantisch. Es gibt drei Realisierungsphasen. Alleine die erste Phase umfasst eine Fläche von ca. 380 ha. Die weitere Phasen sind noch erheblich grösser.

Nur zum Vergleich: Die Internationale Gartenausstellung in Berlin Marzahn hat eine Fläche von ca. 100 ha.

Realisierung

Gegenwärtig wird die erste Phase realisiert. Es handelt sich im wesentlichen um ein System von Bergstrassen. In regelmässigen Abständen wurden - vergleichbar mit Bergdörfern - Sekundärarchitekturen (angelehnt an traditionelle Hütten aus unterschiedlichen persischen Regionen) angeordnet, in denen sich Gruppen von bis ca. 20 Personen aufhalten können.

Ein wesentlicher Aspekt dieses Projekts ist die parallele, grossflächige Aufforstung mit Hilfe eines ausgeklügelten Bewässerungssystems. Die Wasserspeicher liegen nämlich immer am höchsten Punkt, wodurch das Wasser ohne weitere Energiezufuhr grossflächig verteilt werden kann.

Parallel dazu wurde ein weiterer Wasserkreislauf installiert, um das Projekt aus iranischer Sichtweise gestalterisch aufzuwerten. Hierzu wird Wasser bis zum höchsten Punkt gepumpt, um dann über ein künstliches System von Bergbächen, Wasserfällen und Wasserspeichern wieder zur Pumpstation zu fliessen. Der Wasserfall wurde als Felsnachbildung - für uns schwer nachvollziehbar - aus glasfaserverstärktem Kunststoff gestaltet.

Nutzung

Wir waren Zeuge des ersten Probelaufs mit Besuchern. Der Erfolg dürfte selbst die Parkverwaltung überrascht haben. Jede Hütte war mit einer Grossfamilie besetzt. Es wurde geredet, gelacht, gesungen und natürlich auch typisch iranisch gegrillt. Das hatte mitunter den Charakter eines Volksfestes.


3/ Der Architekt Mehrdad Iravanian ist ein zeitgenössischer Architekt aus Shiraz und realisiert zahlreiche Projekte, bei denen er Architektur und Kunst auf aussergewöhnliche Weise verbindet. Das Portfolio ist breit gefächert und beinhaltet auch Parkanlagen sowie Projekte des Städtebaus.

Das Haft Khan ist ein Multifunktions - Gebäude mit verschiedenen Restaurants, dessen Fassade mit diversen komplexen, mechanistischen Fantasie - Szenarien bestückt ist, die durch industrielle Technologien inspiriert sind. Das erinnert an den Künstler Eduardo Paolozzi, mit dem mein Lehrmeister Georg Penker zusammen den Rheingartenbrunnen in Köln realisiert hat.

Gleiches gilt für die Freianlagenplanung Khajoo Kermani, welche die wichtigste Zufahrtsstrasse aus dem Osten in die Stadt flankiert und durch antike Amphitheater inspiriert ist.

Der Sepher Commercial Complex ist ein klassisches Einkaufszentrum, dessen Fassade sich aber heraushebt und als Sonnenschutz funktioniert.